Katakombenheiliger Clemens
Seit 300 Jahren in unserer Pfarrkirche
Katakomenheiliger Clemens in Menzingen ZG
Im Jahr 1676 erhielt die Pfarrkirche Menzingen den Leib des HI. Clemens. Zur Liegefigur montiert, befand er sich bis zur Renovation der Kirche (1958) im südlichen Seitenaltar, verdeckt von einem gemalten Abbild der Statue. 1958 wurde die Statue demontiert und man platzierte die Knochen in der Predella des Hauptaltars, wo sie heute noch zu sehen ist.
Eingestickte Clemens-Reliquien aus Würenlingen AG
In Würenlingen AG finden sich ebenfalls Reliquien eines Heiligen Clemens. Sie sind oberhalb der Mensa des Linken Seitenaltars angebracht. Die Translation nach Würenlingen fand 1677 statt.
Clemens in der Hofkirche Luzern
Die Reliquien des Katakombenheiligen Clemens waren in der Luzerner Hofkirche ursprünglich im mittleren linken Seitenaltar hinter einer Tür verborgen. Der Heilige Leib wurde 1640 nach Luzern gebracht. Als nach dem 2. Vatikanischen Konzil ein Volksaltar errichtet wurde, wurde das ‚Reliquienkompartiment‘ entfernt und durch einen Tabernakel ersetzt. Während Jahrzehnten lagerte es daraufhin ungeschützt in einem Schrank, so dass es stark einstaubte und beträchtlichen Schaden nahm. Die Reliquie des Clemens aus der Luzerner Hofkirche wurde 2025 fachgerecht restauriert und ist Teil des Stiftsschatzes.
Auszug aus dem Nidwaldner Amtsblatt vom 17.02.1922:
Klementinerjahrzeit Buochs
Mittwoch, den 22. Februar, wird in der Pfarrkirche Buochs die Klementinerjahrzeit gehalten. Gottesdienstanfang halb 9 Uhr.
- 5 der Statuten befiehlt sämtlichen Mitgliedern, daran teilzunehmen, ausgenommen sind, die das 65. Altersjahr zurückgelegt haben. Nach dem Gottesdienst Versammlung im Schulhause (Gemeindesaal)
zur Abwicklung der Vereinsgeschäfte und Appell.
Neuanmeldungen zum Eintritt in die Bruderschaft beim Pfarramte Buochs.
Der Bruderschaftsschreiber.
Die Clemens-Bruderschaft
Wie in anderen Pfarreien entstand auch für den Katakombenheiligen Clemens eine Bruderschaft: die «Löbliche Bruderschaft des Heiligen Martyrers Clemens». Über die Mitglieder und das Bruderschafsleben vor 1798 wissen wir leider nichts. Nach dem Brand der Kirche und der Beschaffung eines neuen Leibes wurde die Bruderschaft 1814 neu gegründet. Ihre Mitglieder gelobten, das Ansehen des Heiligen Clemens zu vermehren und sich für eine christliche Lebensführung einzusetzen, um so «aller kirchlichen Privilegien und Ablässe teilhaftig» zu werden. Durch das Bezahlen eines Eintrittsgeldes (1864: 12 Fr., 38 Rp / ab 1941: 10 Franken) wurde man lebenslang Mitglied. Obwohl es sich um eine Bruderschaft handelte, konnten spätestens ab 1863 auch Frauen zu Mitgliedern erhoben werden. Die Gesamtzahl der Bruderschaftsmitgliedern wurde auf 300 festgelegt, wobei 150 aus den Pfarreien Buochs und Ennetbürgen sowie 150 aus der Pfarrei Stans entfallen sollten. Mitglied durfte man mit 14 Jahren werden.
Durch das Bezahlen des Eintrittsgeldes war man verpflichtet, am Jahresgedächtnis (an Sexagesmia à zweiter Sonntag vor Aschermittwoch) zu erscheinen, aber auch berechtigt, am jährlichen «Mälti» teilzunehmen, einem Mahl anschliessend an die Jahresversammlung. Man übernahm aber auch Pflichten: Jährlich wurden Kerzenträger für bestimmte Anlässe im Kirchenjahr bestimmt. Die Kerze der Bruderschaft findet sich heute noch auf der Südseite (Männerseite) der Kirche beim Josefaltar. Bei Nichteinhalten wurde eine Busse fällig (50 Rappen pro Versäumnis). Der Präsens und der Sekretär wechselten jährlich, wurde dafür aber auch besoldet. Diese Ämter waren ausschliesslich den Männern vorbehalten.
Wenn ein Mitglied der Bruderschaft verstarb, wurde aus dem Bruderschaftsvermögen auch ein Gedächtnis gehalten. Wie beim Eintrittsgeld unterschieden sich die Beträge zwischen Frauen und Männern: 1880 kostete ein Männer-Gedächtnis 9.60 CHF, wobei ein Frauengedächtnis «nur» 1.68 Franken kostete. Der Platz des Verstorbenen wurde anschliessend durch Neuanwerbungen aufgefüllt. Auch dafür waren Sekretär und Präses verantwortlich.
Das Bruderschaftsbuch von 1814 sowie das Rechnungsbuch geben Einblick in das Leben der Vereinigung: So sind z.B. für die Jahre 1950/51 und 1958/59 regelrechte Eintrittswellen zu verzeichnen, bei der man je über 60 neue Bruderschaftsmitglieder aufnahm (ca. 40 % Frauenanteil).
1975 wurden die Generalversammlung und das Protokoll allerdings stillgelegt. Auch neue Mitglieder wurden seitdem nicht mehr aufgenommen. Das Kassabuch für die Gedächtnisse wurde vom Pfarramt weitergeführt. 2026 leben noch mindestens drei Mitglieder der Bruderschaft.
Die Katakomben und ihre Heiligen
Katakomben sind unterirdische Grabstätten. Sie enthielten Tausende von Gebeinen von Verstorbenen, welche ausserhalb der Stadtmauern Roms bestattet worden waren. Diese Form der Bestattung hatte sich bei den Christen in Rom im zweiten Jahrhundert nach Christus durchgesetzt, da der Glaube an die Auferstehung einen Leib – und somit ein Grab – erforderte.
In Rom sind über 60 Katakombensysteme bekannt. Die bekannteste ist die Sebastianskatakombe an der Via Appia Antica, welche auch heute noch besichtigt werden kann. Der Legende nach wurde dort der Heilige Sebastian – ein römischer Soldat, der zum Christentum übergetreten war – im Jahr 288 beigesetzt.
Nachdem das Christentum im 4. Jahrhundert zur Staatsreligion des Römischen Reiches erhoben wurde, konnten die Bestattungen nur oberirdisch durchgeführt werden. Pilgerströme zu den Heiligen hielten die Katakomben als Wallfahrtsorte eine Zeit lang am Leben, aber spätestens nach dem Einfall der Langobarden in Rom (6. Jahrhundert) verfielen die Grabanlagen und gerieten in Vergessenheit.
Ab 1578 wurden die Katakomben wiederentdeckt und systematisch erforscht. Im Zuge der Gegenreformation und der erneuerten katholischen Frömmigkeit wurde der Glaube an Heilige wieder verstärkt. Der Glaube daran, dass alle (christlichen) Toten Heilige sind, brachte den in den Katakomben bestatteten Christen einen speziellen Platz ein: Da sie während einer Zeit beigesetzt wurden, als Christen verfolgt und für ihren Glauben getötet wurden, ernannte man alle Leiber in den Katakomben zu Märtyrern (Blutzeugen).
Der Vatikan förderte den Handel mit diesen sterblichen Überresten. Sie galten nun als Reliquie (Überbleibsel von Heiligen). In ganz Europa wurden die Kirchenräume mit Katakombenheiligen geschmückt. Ein Bischof der Kurie stellte eine Echtheitsbescheinigung (Authentik) aus, welche garantierte, dass der Leib aus einer römischen Katakombe stammte.
Klöster und Pfarrkirchen versprachen sich von den Gebeinen einen Pilgertourismus und vor allem Wundertaten für die Gemeinde. Dabei überboten sie sich teilweise gegenseitig, wie am Beispiel der beiden Katakombenheiligen Remigius und Prosper in Stans nachgelesen werden kann. Der Heilige Leib wurde nun reich verziert und eingefasst, um anschliessend mit grossem Pomp (Salutschüsse, Theateraufführungen, Prozessionen) in die jeweilige Kirche überführt zu werden. Bei der Translation (Übertragung) erhielten die Heiligen einen Namen und eine (erfundene) Lebensgeschichte.
Die regionale Verehrung der Heiligen hielt sich über Jahrhunderte. 1860 wurde der Handel mit Katakombenheiligen verboten und Zweifel am Ursprung der Gebeine wurden laut. Im 20. Jahrhundert kam die Verehrung der Katakombenheiligen zum Erliegen und in vielen Kirchen wurden die Reliquien entfernt.
Der Heilige Clemens von Buochs
Das Phänomen der Katakombenheiligen machte auch vor Buochs nicht Halt. Der Wunsch nach einem eigenen Heiligen Leib schien so gross gewesen zu sein, dass sich eine Gruppe um Landammann Johann Jakob Achermann 1725 nach Rom begab, um Gebeine aus den Katakomben nach Buochs zu bringen. Als «Soldat Christi» hat man ihn im Frauenkloster St. Klara liegend mit Schwert und Helm fassen lassen. In dieser Art sind die meisten Römischen Märtyrer ausgestellt, eher selten werden sie stehend gefasst, wie etwa St. Prosper im Stanser Frauenkloster. Die wenigen weiblichen Heiligen sind meist sitzend dargestellt.
Nun besass Buochs also einen Heiligen, doch niemand kannte ihn. Dem wusste man aber leicht abzuhelfen, indem man ihm zu Ehren ein grosses Fest organisierte, die sogenannte Translation des hl. Leibes. So geschah es auch bei uns.
Das grosse Fest der Einführung des Heiligen fand am Sonntag, den 3. Februar 1726 statt. Wie lief die Translation bei uns ab? Den hl. Leib hat man am Vorabend in der Loretto-Kapelle auf dem Ennerberg, dem Landsitz von Johann Jakob Achermann, zur Verehrung ausgestellt. Tags darauf fand dann die Überführung in die Pfarrkirche über die Landstrasse ins Dorf statt. Der Prozessionsweg war von Zeit zu Zeit mit Triumphbögen und «Ehrenporten» geschmückt. Selbstverständlich fehlten Musik und Gesang nicht, dazu gab es Salutschüsse an verschiedenen Orten. Ob auch eine theatrale Begrüssung stattfand, wissen wir nicht. Üblich war ein solches Spiel, um den Heiligen ins passende Licht zu stellen. Vom Dorf ging die Prozession hinauf zur Kirche, wo man ihn unter dem Chorbogen ausstellte. Ein feierliches Hochamt mit entsprechender Ehrenpredigt folgte. Schliesslich musste der Heilige bei den Gläubigen mithilfe entsprechender Informationen bekannt gemacht werden. Der mehrstündigen Translationsfeier schloss sich ein Essen für die Gäste an, bevor das Fest mit einer feierlichen Vesper seinen Abschluss fand.
Die Gebeine des Heiligen Clemens wurden zum Opfer der Geschichte: am 09. September 1798 fielen französische Soldaten nach verlustreichem Kampf gegen die Nidwaldner in Buochs ein und legten das gesamte Dorf in Schutt und Asche. Von der Pfarrkirche blieben nur die Grundmauern stehen. Auch der heilige Leib wurde eingeäschert, obwohl die Franzosen darauf bedacht waren, die wertvollen Gegenstände mitzunehmen, blieben «die mit Silber und Gold reichlich geschmückten Gebeine ds hl. Martyrs Klemens hinter einem Schieber unbewusst.» Davon «fanden sich nachher Spuren in der Ruine.»
Nachdem der Neubau der Kirche an alter Stelle beschlossen war, entstand auch der Wunsch nach einem neuen Leib. Eine Gruppe um Landschätzer Franz Josef Bütt, Landammann Franz Antoni Würsch und Bannerherr Kaspar Remigi von Büren bemühte sich bei Kapuzinerprovinzial Pater Quiriacus um einem neuen Leib. Dieser traf 1806 in Buochs ein, wurde in Einsiedeln im Benediktinerinnenkloster Au gefasst und am 21. Dezember 1808 «unter dem Läuten der Kirchenglocken und klingender Musik» in die Pfarrkirche übertragen. Der «zweite» Clemens ist seit dem in Buochs zuhause.
Clemens – ein Name, viele Heilige
«Clemens» (auch Klemenz) bedeute in etwa «der Zarte» oder «der Sanftmütige». Besonders als Papstname war Clemens beliebt: 14 offizielle und drei Gegenpäpste trugen den Namen Clemens. Der Name bietet sich durch die semantische Nähe zum Wort «clemenzia» (die christliche Tugend der Barmherzigkeit) an.
Clemens I. (auch Clemens von Rom) ist eine historisch fassbare Figur aus dem ersten Jahrhundert. Er gilt als einer der Nachfolger des Paulus und war Bischof von Rom. In der Katholischen Kirche hat er den Stellenwert eines Apostolischen Vaters. Er gilt als Verfasser des Clemensbriefes, welcher die Situation der christlichen Gemeinde in Rom um das Jahr 100 dokumentiert.
Vielen Katakombenheilige wurde der Name «Clemens» zugewiesen. Genauso wie Benedictus (der Gesegnete), Theodor (Gottesgeschenk) oder Pius (der Fromme) verweist der Name auf Tugend und hat einen kirchengeschichtlichen Bezug. In der Schweiz gibt oder gab es neben Buochs noch weitere Katakombenheilige mit dem Namen Clemens: in der Luzerner Hofkirche sowie in den Pfarrkirchen von Appenzell, Menzingen, Küssnacht und Würenlingen. In Appenzell und Küssnacht gingen die Gebeine verloren, an den anderen Orten kann man sie immer noch besichtigen.
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